Außenwände – Schäden und Anpassungsmaßnahmen

Verfasst von

in

Hochwasser kann zeitweise zu sehr hohen Beanspruchungen an Außenwandkonstruktionenführen.

Neben statischem Druck, der bei einseitiger Wasserbeanspruchung auf die Außenwändeeinwirkt, ist hier vor allem das Wasseraufnahmevermögen der Außenwände zu beachten, sofernnicht Abdichtungs oder Barrieresysteme den direktenWasserkontakt verhindern. Die Bauvorsorgestrategie der hochwasserangepassten Bauweiseberücksichtigt auch den Zustand, dass Flutwasser in Gebäude eindringt und somit beidseitig auf die Außenwandkonstruktionen einwirkt.

Die Mehrzahl der traditionellen sowie die Gesamtheit der modernen Wandkonstruktionenbestehen aufgrund der vielfältigen Nutzungsanforderungen hinsichtlich des Wärme-, Feuchte-,Brand- und Schallschutzes aus mehreren Schichten oder Schalen. Bei mehrschaligenWandkonstruktionen kann Flutwasser in die Hohlräume oder Luftschichten – denSchalenzwischenraum – gelangen, sodass die innere Schale ebenfalls unmittelbar durchanstehendes Wasser beansprucht wird.

Nasse Bauteile sollten zeitnah getrocknet werden. Besteht der Aufbau eines Bauteils ausmehreren Schichten, muss eine Durchtrocknung aller Schichten gewährleistet sein.Gegebenenfalls müssen außen liegende Schichten demontiert werden, um die Trocknungdurchführen zu können. Hohlräume in den Schichten könnten mit Wasser gefüllt sein.

Für die Trocknung ist zunächst eine gute Durchlüftung des Gebäudes wichtig. Oft müssenspezielle Trocknungsgeräte unterstützend eingesetzt werden. Diese Trocknung kann mehrereWochen dauern. Fachfirmen haben sich auf die Trocknung von Gebäuden spezialisiert.

Dämmmaterialien und Bauweisen

Dämmmaterialien erzielen ihre Wirkung durch einen großen Hohlraum- bzw. Porenanteil. Füllensich diese Hohlräume mit Wasser, geht die Dämmwirkung des Materials verloren.Dämmmaterialien können, wenn überhaupt, nur mit recht hohem Aufwand getrocknet werden.

Ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) besteht ausformstabilen Dämmstoffblöcken (z.B. aus Polystyrol), dieauf die Außenwand aufgeklebt und anschließend verputztwerden. können nach einem Hochwasserereignis oftmalsverbleiben und rückgetrocknet werden.Im Falle eines Schadens an den Dämmmaterialien, sinddiese bei einem WDVS vergleichsweise einfach zuerreichen, da lediglich das Dämmmaterial und der Putzerneuert werden müssen.

m Sanierungsfall wird eine Anpassung der Konstruktion empfohlen, bei der derüberflutungsgefährdete Bereich mit Schaumglasplatten gedämmt wird. Diese verfügen über eingeschlossenes Porensystem und sind somit wasserundurchlässig.

Typische Bauweise eines Wärmedämmverbundsystems

Hochwasserangepasste Bauweise eines Wärmedämmverbundsystems

Bei einer Kerndämmung wird die Dämmschicht durch eineMauerwerksschale bzw. durch eine Fassade aus Holz odersonstigen Plattenwerkstoffen geschützt.Für die Dämmung werden meist Matten aus Mineralewolleoder Pflanzenfasern genutzt. Bei intensiverWasserbeanspruchung verlieren Faserdämmstoffe jedochihre Formstabilität, weil das Wasser das Bindemittel imMaterial löst und somit den Faserverbund schwächt. Diesführt zum Zusammensacken der Dämmstoffe, sodass sie ersetzt werden müssen. Je nach Artder Fassade muss für den Austausch einer Kerndämmung ein Teil bis hin zur gesamten Fassade demontiert werden.Im Sanierungsfall sollte eine Anpassung der Konstruktion in Erwägung gezogen werden, welcheden überflutungsgefährdeten Bereich vor eindringendem Wasser schützt.

Typische Bauweise eines zweischaligen Mauerwerks mit Kerndämmung

Das Wichtigste in Kürze

Außenwände müssen nach einem Flutereignis gründlich getrocknet werden.

Je nach Intensität des Flutereignisses muss die Trocknung durch Fachfirmen bzw. mittelsspezieller Trocknungsgeräte unterstützt werden.

Dämmmaterialien und Holzwerkstoffe sind besonders anfällig gegenüber Durchfeuchtung.

Bei einer Sanierung sollte eine hochwasserangepasste Bauweise gewählt werden